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Ja
Rede zum Neujahrsempfang
17.01.2015 13:10

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrte Gäste,

ich freue mich, dass Sie meiner Einladung ins Rathaus so zahlreich gefolgt sind. Das neue Jahr ist zwar schon einige Tage alt, dennoch möchte ich den heutigen Abend als Gelegenheit nutzen, um den Start in das Jahr 2015 symbolisch noch einmal mit Ihnen zu vollziehen.
In ein Neues Jahr startet bekanntlich jeder für sich meist mit guten Vorsätzen. - Wie wir alle wissen, geehrte Gäste, verabschiedet man sich nur allzu oft  im Verlauf des Jahres wieder von vielen!
Ich, für meinen Teil, möchte das neue Jahr mit Wünschen verbinden; mit Wünschen für uns alle! Ich wünsche uns Gesundheit und Kraft. Kluge Gedanken. Die Gabe, auf einander zu hören und die gegenseitigen Meinungen zu respektieren. Ich wünsche uns auch den Mut, uns auf Neues einzulassen, Visionen zu wagen und anzupacken.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
lassen Sie uns den Anfang des Jahres als das begreifen, was er ist: ein Neu(jahrs)start!
Viele von Ihnen haben sich vielleicht etwas vorgenommen oder finden jetzt den Zeitpunkt, etwas in die Tat umzusetzen, das schon lange überfällig erscheint oder dringend notwendig ist.
Für uns als Einheitsgemeinde ist diese Einstellung genau die richtige! Lassen Sie sie uns das nutzen, meine Damen und Herren! Fangen wir gemeinsam neu an, stellen wir uns der Realität!
Versuchen wir zu verstehen, welche wirklichen Herausforderungen auf uns warten, wenn wir das Leben im ländlichen Raum auch zukünftig lebenswert gestalten wollen.
Wie von selbst zwingt sich doch die Erkenntnis auf, dass die liebegewordenen Strukturen wenig geeignet erscheinen, um erfolgreich für die Zukunft zu sein.
Nein, meine Damen und Herren. - Der Neuanfang ist nicht getan, wenn wir das nur mit Bedauern hinnehmen. Unser Anspruch muss sein – Das Leben im ländlichen Raum neu zu erfinden! 
Wir müssen neue Antworten finden auf die Frage, warum es sich lohnt bei uns zu investieren, zu leben und zu arbeiten.
Wir müssen beweisen, dass wir genauso nachhaltig und effizient eine Infrastruktur vorhalten können wie die großen Ballungsgebiete. Alles das verlangt Mut, verlangt große Vorstellungskraft, verlangt Ideen, Vertrauen zwischen uns und eine Kultur des Miteinanders.
Um kreative Ideen und mutige Bürgerinnen und Bürger, welche bei diesem Prozess vorangehen, sorge ich mich nicht. - Das Potential liegt in uns!
Nur, was braucht es, um Menschen für diesen Prozess zu aktivieren?
Ich denke, in erster Linie Vertrauen und einen ehrlichen Umgang.
Lassen Sie uns das neue Jahr zum Anlass nehmen, neues Vertrauen zwischen uns entstehen zu lassen.
Unsere Gemeinde lebt schon heute vom Engagement ehrenamtlich tätiger Bürger. Ohne sie wäre das abwechslungsreiche kulturelle und soziale Leben gar nicht mehr realisierbar!
Allen möchte ich an dieser Stelle von Herzen für Ihr Engagement und Ihren Einsatz danken. (à Vielleicht an dieser Stelle selbst applaudieren und damit die Zuhörer zum Beifall für die ehrenamtlich tätigen auffordern?)

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die finanzielle Situation unserer Gemeinde  wird zusätzlich belastet durch die von der Landesregierung beschlossen Kürzungen. Die Gemeinden stehen immer am Ende der finanziellen Weitergabe-Ketten, an deren Anfang die sogenannte „schwarze Null“ der Bundesregierung steht. Ich halte diesen Weg des Schuldenabbaus ohne Zweifel für den einzig richtigen, jedoch verlangt dieser auch von allen politisch Aktiven, seien es Parlamentarier oder Stadträte, ehrliche Aussagen!
Es kann nicht sein, dass keiner den Mut hat, nötige und richtige Entscheidungen zu unterstützen!
Auch hier werden wir einen ehrlichen Dialog führen müssen und für uns klären, was kann, was will und was muss die Kommune leisten, welche Aufgaben kann sie tragen.
Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, Dinge die von der Kommune nicht zu tragen sind, gänzlich weg fallen zu lassen. - Hier brauchen wir neue Ansätze, neue Denkweisen und andere Strukturen. Das Ehrenamt wird die wachsenden Handlungsfelder nicht alleine stemmen können!
Die Erarbeitung eines Gemeindeentwicklungskonzeptes ist aus meiner Sicht der entscheidende Wegbereiter für unsere Entwicklung.
Dieser Prozess zwingt uns, miteinander zu reden und die Vorstellung zu entfalten, wohin wir uns in zehn oder 20 Jahren entwickeln können. Er schafft außerdem die Grundlage für unser heutiges Handeln, zeigt aber auch Außenstehenden, ob wir es ernst meinen mit einer positiven Entwicklung unserer Gemeinde.

Meine Sehr geehrten Damen und Herren,
schon in den ersten Wochen meiner Amtszeit, habe ich den Versuch unternommen, offensiv auf Sie alle zuzugehen! Ziel ist es für mich, einen Einblick zu bekommen über Ihre Sichtweisen und Zielvorstellungen. Ich ermutige Sie, erkennen Sie ihre Chance und beteiligen Sie sich aktiv an diesem Austauschprozess! Sie sind dazu in der Lage!
Ich brauche ihre ungefilterte Meinung, denn es gibt nur ein Miteinander in diesem Prozess. In der Summe der Ideen, obliegt mir die ehrenvolle Aufgabe, zu erklären, was machbar ist und was eben nicht.
Eine meiner Sorgen ist: Wenn in diesem Jahr - in Hinterzimmern oder öffentlich - Minister oder Staatssekretäre auf Einladung in unserer Gemeinde auf Wahlkampftour gehen und Ihnen genau die Veränderungen versprechen, die leicht klingen und sich so gut anhören. – Bitte! Erliegen Sie nicht der Verführung; es gibt keine leichten Lösungen!
Lassen Sie uns diese und andere Gelegenheiten nutzen, um zu zeigen, warum gerade der ländliche Raum das Rückgrat des Landes sein kann. Gehen wir mit einem innovativen Projekt voran, fangen wir etwas an, was uns verbindet, ins Gespräch bringt und zum Nutzen aller dient.
Lassen Sie uns auf das wesentliche konzentrieren und als Team auftreten. – Ein bewährtes Prinzip, das im vergangenen Jahr beispielsweise unsere Fußball-Nationalmannschaft zu Weltmeistern machte.
Lassen Sie mich an dieser Stelle einen Dank aussprechen, meine Damen und Herren. - Einen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  unserer Verwaltung, die mir seit meinem Amtsantritt den Rücken stärken und mich in die Lage versetzten dem Bürgermeisteramt ein neues Gesicht zu geben. (Applaudieren!)

Sehr geehrte Gäste,
auch die Weltpolitik hat Auswirkungen auf unsere ländliche Region. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine, in Syrien oder dem Irak sind Familien gezwungen, Ihre Heimat zu verlassen, und finden auch in unserem Landkreis Zuflucht und eine friedliche Umgebung. Für unsere Gemeinde bedeutet das auch die Beschulung schulpflichtiger Kinder aus den Krisengebieten in unseren Grundschulen in Grieben und Lüderitz! Auch dieser für viele neuen Situation werden wir offen gegenüberstehen. Es ist für uns vielleicht mehr als nur eine Chance, den Beweis anzutreten, dass sich im ländlichen Raum Dinge besser als anderswo entwickeln.

Meine Damen und Herren,
Der Bürgermeister soll, so sieht es der Gesetzgeber vor, mit Zielen und Visionen vorangehen. -
Ich kann Ihnen versichern, dass ich dies tun werde. Ich benötige jedoch Ihre aktive Beteiligung und einen konstruktiven Umgang miteinander, der diesem Zwecke dient.
Vieles ist in den vergangenen Jahren nur vertagt worden. - Nun müssen wir gemeinsam Entscheidungen treffen. Jede Entscheidung wird uns dem Ziel, die Gemeinde für die Zukunft lebenswert zu halten, ein Stück näher bringen!  
Hätten Sie es vor einem Jahr für möglich gehalten, dass ein Kind dieser Gemeinde den Weg zurück findet, sich der Herausforderung stellen und die Verantwortung für das Amt des Bürgermeisters übernehmen wird?  
Hätten Sie erwartet, dass man als unabhängiger Kandidat mit einer Mehrheit von über 72% in dieses Amt gewählt wird?
Auf beides hätte niemand gesetzt und doch ist es eingetroffen! Nicht allein durch meinen Entschluss dazu, sondern durch Sie, die Sie Ihre Stimme und Ihr Vertrauen dafür gegeben haben!
Scheinbar Nichtvorstellbares kann also möglich sein!
Lassen Sie uns das als eine Erfahrung aus dem vergangenen Jahr mitnehmen, für weitere Erfahrungen sorgen und mit ihnen den Blick auf das vor uns liegende Jahr und die Zukunft darüber hinaus richten.

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